Aktuelle Entwicklung der Querflöte in der Neuzeit

1832 brachte dann endlich Theobald Boehm eine völlig neue Flöte hervor. Er ließ beinahe nichts beim alten. Statt Holz verwendete er Metall, die Dicke der Rohrwand, Anzahl, Größe und Anordnung der Löcher, sogar das Mundloch wurde von ihm verändert. Trotz vieler kritischer Stimmen (allen voran Tulou) zu Anfang, setzte sich das neue Instrument aber durch. Der allgemeine Durchbruch in Frankreich erfolgte, als 1860 Dorus den Lehrstuhl am Pariser Konservatorium übernahm.

Böhm´s Flöte stellt den Höhepunkt und das Endergebnis einer langen Periode von Veränderung und Erfindungen am Instrument dar, die bereits in 1726 begann. Die Instrumentierung im Orchester änderte sich und die Flöte war gezwungen einen größeren Tonumfang abzudecken und chromatisches Spiel zu ermöglichen. Dafür wurden zusätzliche Klappen hinzugefügt. Diese zusätzlichen Klappen waren zunächst alle geschlossen, so dass es möglich war, wie Devienne in seiner Flötenschule vorschlug, die meiste Zeit einfach mit den alten Griffen weiterzuspielen und die neuen Klappen nur wenn nötig einzusetzen.

Das Instrument von 1832 war eine Ringklappenflöte. Die Bohrungen für die Grifflöcher waren ausschließlich nach akustischen Experimenten platziert. Da so nicht alle erreicht werden konnten, verfügte das Instrument über eine völlig neuartige Klappentechnik. Diese erste Version hatte noch immer einen zylindrischen Kopf und war erst ab dem Mittelstück konisch.

Da Böhm mit diesem Ergebnis noch nicht zufrieden war, erschien 1847 ein neues Modell. Nach dem Studium der Akustik beruhte die neue Anordnung der Klappen ausschließlich auf exakten Berechnungen. Die Innenbohrung wurde quasi umgekehrt: die neue Flöte hatte einen zum Kork hin parabolisch geformten Kopf und dafür zylindrische Fuß- und Mittelstücke.

Böhms Flöte in Zahlen:

Einige Abmessungen wurden später durch Böhm zum Ausgleich von Intonation und Klangfarbe modifiziert, so dass am Ende ein Rohrdurchmesser von 19 mm blieb und der Kork in 17 mm Entfernung vom Mundloch eingepaßt wurde. Um den Austrittswiderstand der Luft bei geöffneten Klappen zu verringern, wurden die Löcher nah am Kopf verkleinert.

Der Flötist Briccialdi fügte 1849 der Mechanik von Böhm noch die Daumen-Doppelklappe hinzu wie wir sie heute kennen.

Die erste Goldflöte wurde 1869 von Louis Lot gebaut. Neben Silber und Gold sind heute für den Flötenbau folgende Materialien gebräuchlich: vergoldetes Silber, Weißgold, Neusilber (Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel), Platin und Palladium.

Nach Böhms einschneidenden Verbesserungen nahm die Verbreitung der Flöte rasch zu. Die bessere Intonation und flexiblere Fingertechnik bewegte viele Komponisten dazu, Werke für das neue Instrument zu schreiben. Mit der neuen Literatur steigerten sich auch die musikalischen Leistungen, neue Techniken wie die Flatterzunge hielten Einzug. Durch Lehrer wie Taffanel, Gaubert und natürlich Moyse gewann Ende des vergangenen Jahrhunderts Frankreich eine Vormachtstellung in der Flötenwelt.

Mit Fug und Recht kann man die Querflöte als Modeinstrument unserer Zeit bezeichnen. Ein Indiz hierfür sind die stets überlaufenen Flötenklassen an den Musikschulen. Auch Künstler wie James Galway, James Newton oder Ian Anderson von Jethro Tull gewinnen für die Querflöte Liebhaber, indem sie neue Musikbereiche für das Instrument erschließen.

Natürlich wird auch heute weiter experimentiert und geforscht, um das Instrument zu verbessern. Besonders im Bereich der Polster bieten neue künstliche Materialien Alternativen. Auch Anpassungen für sehr junge Flötisten, um Gewicht und Länge des Instruments an die körperlichen Gegebenheiten von Kindern anzupassen, sind ein großer Markt.

Die so genannte Skala der Flöte, das heißt die Anordnung und Abmessung der Tonlöcher wurde seit Böhm ebenfalls weiter verfeinert. Durchmesser, Höhe und Position der Tonlöcher bestimmen die Intonation der Töne untereinander und die klangliche Ausgeglichenheit zwischen den verschiedenen Tönen.

Das erste Update der Skala führte Verne Powell 1927 durch. Die nächste Verbesserung brachte Albert Cooper 1975. Daneben gibt es weitere Skalen von Bennett, Deveau und anderen.

Entwicklungen im Rahmen neuer Spieltechniken führen zu zusätzlichen Bohrungen und Klappen bzw. sogar zur so genannten "Zugflöte" aus dem Jahr 1972.

1974 ließ der Flötist Thomas Pinschof aus Österreich bei Hieber in München eine Kontrabaßflöte mit einem G-Fuss bauen, die unter dem Namen "Pinschofon" geführt wird.

Als Beispiele seien hier die Matusi Flöte von Matthias Ziegler und die Kingma-Flöte mit Viertelton-Mechanik genannt.

Bei ersterer befindet sich in der Nähe des Daumens eine zusätzliche Bohrung, die durch eine Membran verschlossen ist. Während des Spiels schwingt die Membran mit und erzeugt einen Klang, der an chinesische Bambusflöten erinnert. Ein Dämpfer ermöglicht es, diesen Effekt bei Bedarf abzustellen.

Mit der Kingma-Flöte ist es möglich Mehrklänge, Glissandi und Viertelstöne zu erzeugen. Dies wird durch sechs zusätzliche Klappen ermöglicht. Die regulären Griffe der Böhmflöte bleiben davon unberührt. Das Prinzip dabei ist, auch bei den Klappen, die nicht direkt von Fingern betätigt werden, in der Art einer Ringklappe, nur einen Teil des Tonlochs zu öffnen oder zu schließen.

William Bennett entwickelte eine Flöte mit A-Fuß (Flauto di bassetto).

Eine andere neue Flöte verwendet neue Materialien. Bei der Matit -Flöte (aus Finnland) sind Korpus und Kopf aus Carbonfasern, die Federn der Mechanik sind durch Magnete ersetzt. Polster gibt es bei diesem Instrument nicht mehr.

Unter dem Namen Flautus Tremendus wird eine dreiteilige Zugflöte vertrieben. Diese Technik wurde speziell für Glissando-Stellen entwickelt.

Sources:
Pierre-Yves Artaud: Die Flöte
Autor: Claudia Haider; Stand 02.05.2014