Die Entwicklung der Querflöte im Mittelalter

Byzanz

Byzantinische Funde zeigen Querflötisten in Elfenbein, auf Pergament und auf Fresken. Es handelt sich hierbei um die frühesten mittelalterlichen Darstellungen. Auch hier wird die Flöte weiterhin nach links gehalten. Die Musiker gehörten dem Berufsstand des Schaugewerbes an. Im elften Jahrhunder findet sich eine Darstellung mit nach rechts gespielter Flöte. Sie illustriert ein Gedicht.

Das Abendland

Die abendländischen Funde stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Die älteste Darstellung stammt aus der Klosterschrift Hortus deliciarium aus Landsberg und stellt eine Querflöte spielende Sirene dar. Weitere Abbildungen finden sich in anderen Kloster-Handschriften. Weil lediglich eines der gefundenen Bilder eine rechts gespielte Flöte zeigt, läßt sich vermuten, daß auch hier noch die links gehaltenen Instrumente vorherrschend waren. Da in der Frühzeit in Europa rechst gespielt wurde, und nur asiatische Abbildungen Links-Flöten zeigen, kann man annehmen, daß das Instrument hier vergessen und am Anfang des 2. Jahrhunderts aus Byzanz wieder eingeführt wurde.

Die zu den Zeichnungen gehörenden Texte bezeichnen die Flöte als swegel. Dieser Wortstamm lebt noch heute im Slowenischen (swégla) und Kroatischen (zvegla) weiter. Neben dem Instrument bezeichnete dieser Ausdruck auch den Schienbeinknochen. Die Wort-Verwandtschaft deutet darauf hin, daß auch im Mittelalter noch Flöten aus Knochen gebaut wurden. Diese Vermutung wird durch zahlreiche Funde untermauert.

Andere übliche Bezeichnungen sind: fistula, pipa (lat.) und pfife (althochdeutsch). Alle diese Worte bezeichnen auch andere hohe Blasinstrumente und sind somit unspezifisch.

Im 12. Jahrhundert tauchen erstmals Formen des Wortes flûte im Französischen auf (Vermutlich von lat. flatus). Dieser Ausdruck wird von den benachbarten Sprachen lautähnlich übernommen. Zu Anfang bezeichnet er jedoch noch die Block- und die Querflöte. Eine sprachliche Trennung erfolgt erst im 13. Jahrhundert.

Im 14. Jahrhundert wird die Querflöte in Deutschland beinahe in der Mitte geblasen. Das zeigt eine Abbildung der "Manesse Handschrift" sowie ein zeitgenösischer Bericht über deutsche Flötisten.

Zu mittelalterlicher Instrumentalmusik existieren leider nur wenige Quellen. Es ist lediglich bekannt, dass die Flöte teil des sogenannten "niedrigen Ensembles" war, das bei intimeren Anlässen gespielt wurde.

Die sogenannte Periode der Ars nova kam zu ihrem Höhepunkt als der Papst in Frankreich residierte. Auch zu dieser Epoche existieren Bilddokumente, die die Verwendung der Querflöte zeigen.

Autor: Claudia Haider; Stand 13.04.2013