Die Entstehung der Querflöte in der Frühzeit der Geschichte

Es scheint, als sei die Querflöte von allen Flöten als letzte entstanden. Man vermutet, dass sie von den Nomaden in Zentralasien erfunden wurde, und von dort zusammen mit den Ziegen und Schafen nach Europa kam. Wahrscheinlich tauchte sie am Ende der Steinzeit auf und war in der Antike eher eine Seltenheit. Eventuell wurde sie auch unabhängig voneinander in verschiedenen Gegenden entwickelt.

In Indien erscheint eine Querflöte im ersten Jahrhundert vor Christus in einer sehr kurzen Bauform, wird über die Jahre aber immer länger und weist im 2. bis 4. Jahrhundert dann in etwa die Dimensionen der heutigen Instrumente auf. Die indische Mythologie besagt, dass der Gott Krishna den Menschen die Flöte (genannt "murali") gebracht hat.

Bei den Etruskern war die quer gespielte Flöte etwa im 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus in Gebrauch.

Die folgenden Beispiele für Funde, die auf Querflöten hinweisen, sind nicht exakt einzuordnen. Sie stellen lediglich Fragmente dar, die kein geschlossenes Bild ergeben.

Die allerersten Flöten aus prähistorischer Zeit wurden aus Tierknochen hergestellt. Leider läßt sich bei vielen Funden nicht mehr rekonstruieren, wie sie gespielt wurden, bzw. sicher sagen, dass es sich wirklich um bewußt hergestellte Instrumente handelt. Oft liegen heute nur noch Bruchstücke vor.

Sehr frühe Funde wurden bei Ausgrabungen in Süddeutschland (Geißenklösterle bei Blaubeuren) gemacht. Die dort gefundenen Flöten aus Mammut-Elfenbein werden auf ein Alter von ca. 35.000 Jahre geschätzt. Daneben wurden dort auch Instrumente aus Vogelknochen entdeckt. Über Flöten aus weniger beständigen Materialien wie Holz kann naturgemäß nur spekuliert werden.

Erste schriftliche Zeugnisse für den Gebrauch von Flöten findet man in der chinesischen Poesie (Schï-djing). Man ordnet der Querflöte das Zeichen tschï zu. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus wird dieses Schriftzeichen in einem Lexikon eindeutig mit der Querflöte in Verbindung gebracht. Dort heißt es, dass es schon im ersten Jahrtausend vor Christus existierte. Ob es jedoch von Anfang an immer die gleiche Bedeutung hatte, läßt sich hieraus nicht feststellen.

In ägyptischen Grabhieroglyphen fand sich eine Inschrift, die besagte, dass Musiker, die die "Flöte herrlich spielen", das "Herz jeden Tag aufs Schönste erfreuen". Daraus wird allerdings nicht ersichtlich, um welchen Flötentyp es sich gehandelt haben könnte.

Auch ein indisches Grabmal (Stupa Sanchi) aus dem 1. Jahrtausend nach Christus trägt Reliefs, in denen Querflöten dargestellt werden. Diese werden allerdings nach links gespielt. Reliefs an einem Tempel auf Java sind die ersten Abbildungen rechts gespielter Flöten.

Im alten Griechenland kannte man die Querflöte anscheinend nicht. Erst in der hellenistischen Epoche taucht hier eine Wort-Neuschöpfung auf, die die Querflöte bezeichnet: Photinx. Die Flöte an sich wurde allerdings von einigen Philosophen als schlechter Einfluss auf die Bürger aufgefasst, da sie zu "Verweichlichung und Sittenverfall" führe.

Das früheste eindeutige Bild einer Querflöte findet sich auf einem etruskischen Relief aus der Nähe von Perusa. Es stammt aus dem zweiten oder ersten Jahrhundert vor Christus. Die Etrusker scheinen das Instrument überhaupt sehr geschätzt zu haben, da uns aus ihrer Kultur viele Abbildungen der Flöte erhalten geblieben sind.

Auch Münzen mit Bildnissen von Flötisten sind uns überliefert. Eine stammt beispielsweise aus der Ortschaft Baniyas (Früher Caesarea Panias) und wurde im Jahr 169 n. Christus geprägt. Ursache für häufige Darstellungen von Flöten in dieser Gegend ist der Gott Pan. Ihm wurde eine Grotte nahe der Stadt geweiht.

Nach Europa kam die Querflöte vermutlich über die slawischen Länder. Ein Zeugnis hierfür ist ein Fresko aus dem 11. Jahrhundert in eine Kathedrale in Kiew

Die Römer übernahmen die Querflöte von den Etruskern. Das lateinische Wort "tibia" bezeichnet sowohl Schienbein als auch Blasinstrument, was nochmals auf die Frühzeit des Instruments verweist.

Quellen:
Rene Leroy - Die Flöte
Gefion Landgraf: Die Flöte
Pierre-Yves Artaud: Die Flöte
Lexikon der Flöte
Autor: Claudia Haider; Stand 13.04.2013