Die Entwicklung der Querflöte im Barock

Vom 16. zum 18. Jahrhundert hin veränderte die Querflöte sich entscheidend. War die innere Bohrung zu Anfang noch zylindrisch gewesen, so findet sich im 18. Jahrhundert bereits in Mittelstück und Fuß eine konische Innenbohrung. Diese Veränderung zeichnet sich deutlich in den neuen Griffbildern der Lehrwerke ab.

Obwohl der Grund für diese Modifikation nicht dokumentiert ist, gibt es eine Theorie, die eine plausible Erklärung darstellt. Durch die ausschließlich anhand der Erreichbarkeit positionierten und bemessenen Grifflöcher (mit kleinem Durchmesser) ergibt sich bei der zylindrischen Flöte ein ungünstiges Verhältnis zwischen dem Rohrdurchmesser und der Länge des Rohres (bis zum ersten geöffneten Griffloch). Dadurch wird der Klang der Flöte getrübt. Wird allerdings der Innendurchmesser der Flöte Richtung Fuss verringert, so ergibt sich ein günstigeres Verhältnis und damit auch ein besserer Klang.

Damals waren die Flöten bereits dreiteilig. Zum Anpassen der Stimmung, die zu jener Zeit von Ort zu Ort variierte, verfügte jedes Instrument über mehrere austauschbare Mittelstücke. Die sechs Grifflöcher wiesen verschiedene Durchmesser auf und ermöglichten bereits das Spiel von Dur-Tonleitern. Der Tonumfang reichte vom eingestrichenen d bis zum dreigestrichenen a, wobei Quantz das dreigestrichene e als den höchsten brauchbaren Ton bezeichnete.

Nachträglich wurde diesem System ein zusätzliches Loch, das für neue Tonarten erforderlich wurde, hinzugefügt. Da das neue 7. Loch (dis) mit den Fingern auf herkömmliche Art nicht zu erreichen war, wurde die erste Klappe angebracht. Das Ergebnis war vor allem eine verbesserte Intonation und ein größerer Tonumfang.

Ein Meilenstein der Flötengeschichte ist das Buch Les Principles de la Flute Traversiere, 1707 von Jacques Hotteterre (le Romain) verfasst. Er ist Vertreter einer bedeutenden Flötisten-Familie.

Ca. um 1715 entstand eine vierteilige Bauweise, vermutlich in Frankreich. Dadurch wurde der Austausch des Mittelstücks vereinfacht und die Bearbeitung der Instrumente für den Flötenbauer vereinfacht.

Zwischen 1720 und 1830 versuchten sich zahlreiche Musiker an der Verbesserung des Instrumentes. Neue Klappen und Löcher wurden zugefügt. Die meisten Änderungen brachten jedoch genauso viele Vor- wie Nachteile, so dass sich viele von ihnen nie ganz durchsetzten und bald wieder vergessen waren. Zu nennen sind hier beispielsweise das von Tromlitz entwickelte Register, ein Ausziehfuß zum Intonationsausgleich oder der Kopfauszug, den Quantz in seinem Versuch einer Anweisung beschreibt.

Bis heute erhalten blieb eine Erfindung von Quantz: der Stimmkorken sowie die beiden offenen Klappen für c und cis am Fuss inklusive der dafür erforderlichen Verlängerung des Rohrs.

1751 wurde vermutlich in Frankreich die Baßflöte erfunden. Nach heutigen Bezeichnungen müßte sie allerdings Altflöte heißen. Da die Länge der Flöte die direkte Bedienung der Löcher unmöglich machte, war man gezwungen, weitere Klappen anzubringen. Dadurch wurde möglicherweise auch die Entwicklung der Konzerflöte beeinflußt.

Um 1770 versuchte man im nächsten Schritt, die Gabelgriffe durch zusätzliche Löcher und Klappen überflüssig zu machen. Dies gelang. Schließlich blieb nur für das C ein Gabelgriff erforderlich. Diese letzte Lücke wurde später von Johann Georg Tromlitz geschlossen. Die entstandene Mechanik war allerdings reichlich wackelig und unzuverlässig. Ein schnelles und sauberes Spiel war auf diesen Instrumenten beinahe unmöglich. Am Ende all der Verbesserungsversuche und Ergänzungen stand eine Flöte mit acht Klappen, die einen Tonumfang von drei ganzen Oktaven erlaubte.

Der hauptsächliche technische Nachteil der damaligen Instrumente lag darin, daß die Grifflöcher nach der Spannweite der Finger gesetzt wurden. Alle Maße entsprachen nur der Erfahrung der Flötenbauer und folgten keinen akustischen Erkenntnissen.

Das verbreiteste Material war Buchsbaum, der durch den feuchten Atem aufquoll und zu einer trotz aller technischen Verbesserungen immer noch ungenügenden Intonation führte. Daneben wurden aber auch Ebenholz, Grenadill, Ahorn oder Elfenbein verwendet.

Johann Sebastian Bach schrieb erst nach einem Besuch der Oper in Dresden (1730) Stücke für die Flöte. Wahrscheinlich hatte er dort jemanden spielen hören, der Eindruck auf ihn gemacht hatte. Auch nach diesem Zeitpunkt kamen in seinen Werken aber immer entweder Block- oder Querflöten zum Einsatz. Ursache hierfür war vermutlich, daß beide Instrumente von den gleichen Musikern gespielt wurden. Dennoch setzte Bach offensichtlich auf sehr talentierte Flötisten, da seine Stücke mehrfach Töne über dem dreigestrichenen f verlangen.

Der Beginn des 18. Jahrhunderts brachte der Flöte eine Blütezeit (auch "grand siècle"). Mit verantwortlich dafür waren Musiker wie oben genannter Jacques Hotteterre, John (Jean-Baptiste) Loeillet und Johann Joachim Quantz. Die Tatsache, dass die Flöte auch am französischen Hof sehr beliebt war, machte sie in ganz Europa, das sich ohnehin stark an Frankreich orientierte, salonfähig.

In Deutschland fand diese Begeisterung für das Instrument seinen Höhepunkt zwischen 1800 und 1830. Eindrucksvolle Vertreter für diese Liebhaberei sind die Flöte spielenden Prominenten Friedrich Hölderlin und Arthur Schopenhauer.

Quellen:
Rene Leroy - Die Flöte
Gefion Landgraf: Die Flöte
Pierre-Yves Artaud: Die Flöte
Hans-Peter Schmitz: Fürstenau heute
Autor: Claudia Haider; Stand 02.05.2014