Einstimmen und Intonation auf der Querflöte

Einstimmen

Um eine Flöte zu stimmen, wird das Kopfstück ausgezogen oder eingeschoben. Das Verlängern des Rohres durch Ausziehen des Kopfes macht den Ton tiefer, das Einschieben höher.

Gestimmt wird in der Regel nach dem a. Es macht aber durchaus Sinn, auch andere Töne einzustimmen, in der Tonart des Stücks oder knifflige Anfangsharmonien beispielsweise.

Empfehlenswert ist, beim Stimmen nacheinander zu spielen, um ein automatisches Angleichen zu vermeiden und den eigenen und den fremden Ton deutlich hören zu können.

Das Stimmgerät ist eine gute Hilfe, sollte aber nicht als Allheilmittel gesehen werden. Das Ohr will trainiert sein!

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass jeder einzelne Ton, auch bei gestimmtem Instrument, korrigiert werden muss. Ansatz, Stütze, Dynamik, Anblaswinkel... alles beeinflusst die Intonation. Während des Musizierens ist darum eine ständige Aufmerksamkeit und Korrektur in jedem Fall erforderlich. Mit einigen grundsätzlichen Phänomenen der Intonation bei der Flöte befasst sich daher der folgende Abschnitt.

Quellen:

Intonation

"Gut intonieren heißt auch, nachgeben zu können. Der schwerwiegendste Intonationsfehler ist Rechthaberei und Beharrenwollen!"
Werner Richter (Bewusste Flötentechnik)

Intonation bezeichnet das Feintuning der Stimmung während des Spielens. Bei einer Flöte, wie bei allen Blasinstrumenten, ist nicht garantiert, dass der richtige Griff dazu führt, dass der gespielte Ton auch wirklich stimmt. Auch wenn zuvor das Instrument gestimmt wurde, kommt es durch viele verschiedene Einflussgrößen zu Abweichungen von der gewünschten korrekten Tonhöhe. Wichtig ist daher, bereits als Anfänger bewusst zu hören und gegebenenfalls erforderliche Korrekturen durch Ansatz und/oder Anblaswinkel, Luftgeschwindigkeit etc. vorzunehmen. Es ist ein Irrglaube, dass vorlaufendes Stimmen ausreichend wäre, um sauberes Spiel zu erreichen.

Generell wird eine Flöte höher, wenn sie wärmer wird. Das heißt zum einen wird durch die Wärme des Atems das Instrument beim Spielen erwärmt, zum anderen kann auch ein warmer Raum zum Höherwerden führen. Im umgekehrten Fall kühlt sich ein Instrument in Pausen in einem kalten Raum, beispielsweise einer Kirche, ab und wird tiefer. Diese Temperatur induzierte Abweichung von der Stimmung muss beim Spielen ausgeglichen werden.

Eine weitere Veränderung der Intonation kann sich durch die Dynamik (laut-leise) ergeben. Beim lauten Spielen wird der Ton in der Regel höher, beim leisen Spielen, sinkt die Tonhöhe in der Regel ab.

Ein anderer allgemeiner Mechanismus ist, dass häufig Töne in der tiefen Lage (erste Oktav) tendenziell eher zu tief, solche in der hohen Lage (dritte Oktave) eher zu hoch geraten. Dazu kommen Abweichungen durch die Richtung, aus der man auf einen Ton innerhalb der Melodielinie trifft.

Ganz allgemein sind insbesondere sehr offene Griffe, wie beispielsweise c oder cis der zweiten und/oder dritten Oktave für Intonationsschwankungen anfällig.

Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten sollte bedacht werden, dass Tasteninstrumente temperiert gestimmt werden, das heißt, alle 12 Halbtöne sind exakt gleich. Das ist bei Streich- oder Blasinstrumenten nicht so, hier wird in der Regel unter sich eher in der reinen Stimmung musiziert, bei der ein gleichnamiger Ton je nach seiner Funktion in der jeweiligen Harmonie oder Tonart etwas anders intoniert wird.

Bezüglich des Zusammenspiels ist außerdem wesentlich, dass Streicher tiefer werden, wenn ihre Instrumente wärmer werden (z. B. in einem heißen Konzertsaal). Beim Zusammenspiel mit anderen Bläsern hilft die Berücksichtigung der Tatsache, dass Blattinstrumente wie Klarinette, Fagott oder Oboe beim Lautspielen tiefer, Blechbläser genau wie Querflöten dagegen höher werden.

Techniken zur Tonhöhenkorrektur sind Veränderungen des Anblaswinkels durch Arbeit mit Lippen oder Kiefer oder durch Drehen des Instruments. Dabei wird der Ton tiefer, wenn steiler in das Mundloch geblasen wird, höher, wenn flacher geblasen wird. Eine höhere Ströungsgeschwindigkeit der Luft macht den Ton höher. Dies wird erreicht durch mehr Luft (Stütze) oder eine kleinere Lippenöffnung. Ein weiterer Faktor ist die Überdeckung des Mundlochs mit der Unterlippe. Dies wird ebenfalls durch Drehen der Flöte erreicht oder durch Bewegung der Unterlippe. Stärkere Überdeckung macht dabei den Ton tiefer.

Neben diesen generellen Techniken existieren für zahlreiche kritische Ton-Dynamik-Kombinationen Alternativgriffe, die eine fehlerhafte Intonation auszugleichen vermögen. Offene Griffe wie c oder cis können beispielsweise durch geschlossene Klappen in der rechten Hand etwas tiefer angespielt werden (das nennt man Abdecken, manchmal werden Klappen teilweise geschlossen oder geöffnet (Dis-Klappe oder Trillerklappen) oder benachbarte Klappen statt der im Grundgriff vorgesehenen gewählt (z. B. fis mit dem Mittel- statt dem Ringfinger). Eine gute Übersicht solcher Ausgleichsgriffe bietet das Grifflexikon der Boehmflöte von Schaeffer.

Quellen:
Autor: Claudia Haider; Stand 23.04.2013